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  • Thomas Edtmeier

Vorchdorf wählt: Quo vadis, Markt voller Leben?

Am 26. September stehen neben der Landtagswahl bekanntermaßen auch in Vorchdorf die Gemeinderats- und die Bürgermeisterwahl an. Dabei stellen sich neben den bereits im Gemeinderat vertretenen Parteien – ÖVP, SPÖ, FPÖ und GRÜNE – auch die NEOS sowie die LISTE VORCHDORF der Wahl. Höchste Zeit also, eine analytische Bilanz über die bald abgelaufene Legislaturperiode zu ziehen und sich eine Aussicht über die einzelnen Wahlbewegungen für die nächsten sechs Jahre zu verschaffen.



ÖVP: Nach der Wahl 2015 musste die Vorchdorfer Volkspartei ihre absolute Mehrheit im Gemeindevorstand abgeben und zwangsweise kleinere Brötchen backen. Grund dafür war ein Erdrutschsieg der FPÖ Vorchdorf, die sich im Vergleich zu 2009 mehr als verdoppelt hat und die SPÖ als Vizebürgermeisterpartei ablösen konnte. Dies stieß den Schwarzen ziemlich sauer auf, sah man sich doch nun ihrer Allmacht beraubt und mit Personen konfrontiert, die nicht der bisherigen Gepflogenheit folgten und einfach alles abnickten, was sich Gunter Schimpl und sein Gefolge so einbildeten. Vertrauen ist gut, Kontrolle aber einfach besser. Mit meinem Ausscheiden aus dem Gemeindevorstand und in weiterer Folge auf Grund eines Umzuges auch aus dem Gemeinderat kehrte man leider nach und nach wieder in alte Fahrwasser zurück und die Freunderlwirtschaft in ÖVP-Kreisen feierte fröhliche Urständ. Unrühmlicher letzter Akt in der langen Liste der politischen Verfehlungen der Ortsschwarzen war das überraschend angekündigte Nichtantreten Gunter Schimpls als Bürgermeister und der ihm nach dem Bahnhofstraßen-1-Euro-Deal zugeschanzte Job in der Baufirma seines Politdobermanns Johannes Huemer (>>> siehe Artikel Kronen Zeitung). Dass mit dem neuen ÖVP-Kandidaten Mitterlehner eine Trendwende in der verfilzten ÖVP Vorchdorf eingeläutet wird, darf zu Recht bezweifelt werden.

ÖVP-Fazit: Unwählbar!



SPÖ: Die SPÖ Vorchdorf scheint sich seit 2015 in einer Art Dornröschenschlaf zu befinden, zumindest aber hat sie sich einen politischen Tarnmantel umgelegt. So unscheinbar, ja unerkennbar ist der politische Mehrwert, den die Vorchdorfer Sozialdemokraten im Markt voller Leben zu verzeichnen haben. Dass die aktuellste Meldung auf ihrer Webseite mit Februar 2018 datiert, untermauert dieses Bild nur noch mehr. Aber sie beweisen wenigstens Humor: Mit dem rotnasigen Hund „Chili Billi“, der sich irgendwie hilflos durch diverse Ortsthemen schnüffelt, sorgt die SPÖ in der Vorwahlzeit zumindest für (unfreiwillige) Satire und bringt einen zum Schmunzeln.

SPÖ-Fazit: Einfach zu wenig, polithandwerklich nicht gut.



FPÖ: Kommen wir zu den Freiheitlichen. Nach dem fulminanten Wahlsieg im Herbst 2015 wurde in der FPÖ Vorchdorf so ziemlich alles auf neue, professionelle Beine gestellt und man kam der so wichtigen Kontrollaufgabe als notwendiges Korrektiv in der Gemeindepolitik nach. Besonders in der demokratischen Auseinandersetzung gegen das ALIF-Gebetshaus zeigte man sich über Jahre kampfbereit und stellte sich standhaft der Pro-Moschee-Phalanx aus ÖVP, SPÖ und Grünen entgegen. Nach parteiinternen Unstimmigkeiten gründete ich mit zwei weiteren Mandataren bekanntermaßen die überparteiliche Bürgerbewegung „WIR SIND VORCHDORF“ und irgendwie schien dabei auch der freiheitliche Geist einer patriotischen und liberal-konservativen Politik die FPÖ Vorchdorf zu verlassen. Was bis auf ganz wenige Ausnahmen übrig blieb, ist eine leere Hülle ohne Vision und Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt. Initiativlos und als assimilierter Teil des etablierten Politsystems in Vorchdorf wurden in den letzten zwei Jahren lediglich jene Wahlerfolge verwaltet, die ihnen andere eingefahren haben. Das Ergebnis am 26. September wird entsprechend ernüchternd sein.

FPÖ-Fazit: Wer echte und vor allem ehrliche Freiheitliche Politik haben will, kann die Vorchdorfer Freiheitlichen, die den Namen eigentlich gar nicht mehr verdienen, schlichtweg nicht wählen!



GRÜNE: Allesamt wirklich liebe und in ihrem Kernbereich ambitionierte Menschen, die sich irgendwie zwischen ein bisserl Klimaschutz, witzigen Fahrradinitiativen und einer gebetsmühlenartig gepredigten Toleranz bewegen. Ja nicht anecken, scheint das Motto der Vorchdorfer Ökopartei zu sein. Denn wenn es beispielsweise um nicht-grüne Kernthemen wie Islamismus oder die Roma-Problematik im Markt voller Leben geht, dann verschanzen sich die Grünen eher und schwurbeln irgendwas von Brücken bauen sowie gegenseitiger Akzeptanz, anstatt der Wahrheit ins Auge zu blicken und sich auch mal hinter die betroffene Vorchdorfer Bevölkerung zu stellen. Im Gegensatz zu anderen Parteien muss man Reinhard Ammer und seinem Team aber eindeutig attestieren, dass sie bei allen politischen Unterschieden stets verbindlich sind und über eine gehörige Handschlagqualität verfügen.

GRÜNE-Fazit: Ehrlich, authentisch und engagiert – politisch aber halt gar nicht mein Ding.



NEOS: Regenbogen, Blabla, authentische Politik, Blabla, irgendwas mit Wirtschaft, aber dann auch wieder nicht, Blabla, … Führt man sich das NEOS-Programm zu Gemüte, kann man nur zu einem Schluss kommen: Das ist weder Fisch noch Fleisch noch Gemüse noch sonst irgendwas, das schmeckt. Ich habe also keine Ahnung, was wir von dieser Partei in Vorchdorf erwarten dürften. Das ist aber nur bedingt wichtig, denn diese Bewegung wird in Vorchdorf auch nach ihrem ersten Antreten ohnehin keine Rolle spielen.

NEOS-Fazit: Wurscht!



LISTE VORCHDORF: Auch diese tritt erstmals an und hat nach eingehendem Studium ihrer Forderungen, Vorhaben und Protagonisten eine echte Chance, der „Gamechanger“ in der Vorchdorfer Ortspolitik zu werden. Der von der ÖVP geschasste Gemeinderat Albert Sprung hat mit viel Engagement und persönlichem Einsatz eine offene, parteiunabhängige Bürgerliste aus dem Boden gestampft und spätestens im vergangenen Jahr mutig die Aufgabe übernommen, Bürgermeister Schimpl und seinen Getreuen genauestens auf die Finger zu schauen, während alle anderen Parteien dabei in der Pendeluhr geschlafen haben. Inhaltlich präsentiert sich die Liste Vorchdorf als eine Melange aus durchgehend ortsbezogenen und konkreten Ideen, ohne sich in typischen Politplattitüden zu ergehen. Und Vorchdorf braucht wieder mehr Politiker mit Ecken und Kanten, die Mut bzw. Ambition zeigen, einen Zug zum Tor im Sinne der Vorchdorferinnen und Vorchdorfer haben und nicht vor den Allmachtsphantasien der ÖVP einknicken. Doch genau diese Gefahr besteht, wenn nämlich die Vorchdorfer Volkspartei im September die Absolute holt und jegliches Korrektiv in Gemeindevorstand und Gemeinderat damit Geschichte ist. Das gilt es unbedingt zu verhindern.

LISTE VORCHDORF-Fazit: Einzige Alternative, um eine uneingeschränkte und nicht kontrollierbare Machtfülle der ÖVP in Vorchdorf zu verhindern – „Mit Sprung in die Zukunft“, sagt daher der Hausverstand!


Edtmeier Ende!

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